Sicherheitsbericht 2021

220317Sicherheitsbericht2021FINAL

Das Polizeipräsidium Ludwigsburg hat am Donnerstag seinen Sicherheitsbericht für 2021 mit den Teilbereichen „Polizeiliche Kriminalstatistik“, Verkehrsunfallgeschehen“ und „Präventionsbericht“ veröffentlicht

Kriminalitätsentwicklung: Bestes Ergebnis seit 30 Jahren

Die Gesamtzahl der polizeilich registrierten Straftaten im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg ist um -7,5% zurückgegangen und hat mit nunmehr 34.890 Fällen den niedrigsten Stand seit 1991 erreicht. Im Kreis Ludwigsburg lag der prozentuale Rückgang bei -7,6% und im Kreis Böblingen bei -7,3%. Gleichzeitig wurde die Aufklärungsquote von 63,7% auf 65,1% gesteigert. Mit einer Häufigkeitszahl von 3.720 (3.770 im Kreis Böblingen und 3.684 im Kreis Ludwigsburg) ist die Kriminalitätsbelastung im Vergleich zum Landesdurchschnitt (4.380) deutlich geringer.

„Wir haben ein sehr gutes Ergebnis erreicht,“ so Polizeipräsident Burkhard Metzger. „Es spricht für die hervorragende Arbeit, die die Mitarbeitenden des Polizeipräsidiums Ludwigsburg im vergangenen Jahr auch unter einer hohen Einsatzbelastung geleistet und damit dazu beigetragen haben, dass die Bürgerinnen und Bürger bei uns sicher leben können. Natürlich hat in diesem Zusammenhang auch die Corona-Pandemie eine Rolle gespielt.“

Zur hohen Belastung führten nicht nur zahllose Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen, sondern auch rund 170 Einsätze im Zusammenhang mit demonstrativen Corona-Aktionen, für deren störungsfreien Verlauf das Polizeipräsidium Ludwigsburg mit einem entsprechenden Personalansatz zu sorgen hatte. „Das Virus selbst hat auch vor der Polizei nicht Halt gemacht,“ so Metzger. „Aber gut strukturierte Informationen, die konsequente Umsetzung von Infektionsschutzmaßnahmen, die Verfügbarkeit von Schutzausstattung und nicht zuletzt das umsichtige Verhalten unserer Mitarbeitenden und eine hohe Impfbereitschaft hielten das Infektionsgeschehen in den eigenen Reihen in Grenzen und verhinderten gravierende Einschränkungen im Dienstbetrieb.“

Wohnungseinbruch erreicht neuen Tiefstand; Aufklärungsquote über 40%

Als ein Beispiel für den Einfluss der Corona-Pandemie nannte der Polizeipräsident den Wohnungseinbruchsdiebstahl, der im vergangenen Jahr mit 276 erfassten Fällen (114 im Kreis Böblingen und 162 im Kreis Ludwigsburg) einen neuerlichen Tiefstand erreicht hat. „Hier könnten Mobilitäts- und Kontaktbeschränkungen zu weniger Tatmöglichkeiten geführt haben. Viele Menschen waren öfter zu Hause und nutzten die Möglichkeit zum Home Office. Das bietet natürlich weniger Tatgelegenheit für Einbrecher.“ Die Aufklärungsquote in diesem Deliktsbereich konnte von 28,6% auf 40,2% deutlich gesteigert werden.

Neben dem Wohnungseinbruch sind auch die Diebstahlsdelikte insgesamt um -20,5% von 8.704 auf 6.920 Delikte zurückgegangen. Die Fälle des einfachen Diebstahls gingen um -10,9% und die schweren Diebstähle noch deutlicher um -36,3%) zurück.

Straftaten gegen das Leben auf Vorjahres-Niveau

Die Gesamtzahl der Straftaten gegen das Leben befindet sich mit 14 erfassten Delikten auf dem Niveau des Vorjahres. 13 dieser Delikte und damit 92,9% wurden aufgeklärt

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung erneut deutlich angestiegen

2021 stiegen die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung von 624 auf 892 Fälle (+268/+42,9%) an. Ursächlich hierfür ist insbesondere die Verbreitung pornografischer Schriften mit einem Anstieg von 253 auf 539 Fälle (+268/+113,0%).

In diesem Deliktsbereich stellt vor allem der sexuelle Missbrauch von Kindern und die Verbreitung kinderpornografischer Dateien die Ermittelnden vor große Herausforderungen. Die Anzahl der Ermittlungsverfahren im Bereich der Kinder- und Jugendpornografie stieg von 189 im Jahr 2021 auf zuletzt 479 an. Hierzu musste die enorme Datenmenge von 809 Terrabyte ausgewertet werden. „Eine Aufgabe, die die Kolleginnen und Kollegen nicht selten an die Grenze ihrer Belastbarkeit führt,“ sagt Burkhard Metzger. „Wir müssen genau hinschauen, damit die Ermittelnden bei dieser sehr belastenden Arbeit nicht emotional überfordert werden.“ Zur Bewältigung der zahlreichen Fälle hat das Polizeipräsidium Ludwigsburg eine 13-köpfige, gemeinsame Ermittlungsgruppe aus Schutz- und Kriminalpolizei eingerichtet.

Straftaten im öffentlichen Raum deutlich rückläufig

Bei einer von 15.210 auf 13.978 Fälle deutlich rückläufigen Tendenz bei den Straftaten im öffentlichen Raum haben sich die einzelnen Bereiche dieser Deliktsgruppe unterschiedlich entwickelt. So waren etwa bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, bei Raubdelikten und beim illegalen Handel mit Betäubungsmitteln Zunahmen festzustellen, während Körperverletzungsdelikte, Diebstähle, Beleidigungen und Sachbeschädigungen zurückgingen.

Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte weiterhin auf hohem Niveau

Nach einer deutlichen Zunahme im Vorjahr wurden 2021 insgesamt 338 und damit 43 (-11,3%) weniger Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte registriert. Im Kreis Böblingen waren es 198 (214) und im Kreis Ludwigsburg 140 (167). Bei diesen Delikten wurden 146 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte leicht und ein Beamter sogar schwer verletzt.

Mehr Fälle politisch motivierter Kriminalität

Die politisch motivierten Straftaten insgesamt haben von 234 auf 362 deutlich zugenommen. Die dabei registrierten Gewaltdelikte sind allerdings von 10 auf 3 gesunken. Im Wesentlichen resultiert die Zunahme insgesamt aus Sachbeschädigungs- und Diebstahlsdelikten, die im Zusammenhang mit der Landtags- und Bundestagswahl erfasst wurden.

Unfallzahlen rückläufig, aber mehr Verkehrstote

Die Bekämpfung schwerer Verkehrsunfälle und ihrer Folgen ist erklärtes Ziel polizeilicher Verkehrsüberwachungs- und präventionsmaßnahmen. „Mit einer Reduzierung der Verkehrsunfälle mit Personenschaden um 8,6% sind wir weiterhin auf dem richtigen Weg,“ erklärt der Polizeipräsident. „Allerdings wird diese Entwicklung leider durch die wieder deutlich angestiegene Zahl der Verkehrstoten getrübt.“ Nach einem Rückgang von 34 auf 15 im Jahr 2020 stieg die Zahl der getöteten Verkehrsteilnehmenden auf 24 an.

Die Unfallursachen bei schweren Verkehrsunfällen werden angeführt von überhöhter oder nicht angepasster Geschwindigkeit, gefolgt von Fehlern beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren und auf Platz drei rangiert mangelnde Verkehrstüchtigkeit.

Die Unfälle, bei denen Alkoholeinwirkung eine Rolle spielte, gingen um -6,2% von 273 auf 256 zurück, während die Zahl der Verkehrsunfälle mit unter Drogeneinfluss stehenden Personen mit 53 (52) auf dem Niveau des Vorjahres blieb.

Bei den Unfällen mit motorisierten Zweirädern ist ebenfalls ein Rückgang zu verzeichnen. Die Polizei registrierte mit 385 (431) -10,6% weniger. Klassische Motorräder über 125 ccm waren 212 (227) mal an Verkehrsunfällen beteiligt, was einem Rückgang von -6,6% entspricht. Bei den Unfällen kamen 5 (0) Motorradfahrende ums Leben.

Mit der verstärkten Verkehrsteilnahme von Pedelecfahrenden hat 2021 nicht zu einer weiteren Zunahme von Verkehrsunfällen mit dieser Zielgruppe geführt. Die polizeiliche registrierten Unfälle gingen von 240 auf 234 (-2,5%) zurück.

Präventionsarbeit trotz Corona-Einschränkungen

Auch im zweiten Corona-Jahr gab es pandemiebedingte Rückgänge in einzelnen Präventionsbereichen. Insbesondere bei den sicherungstechnischen Beratungen, den Präventionsangeboten für ältere Menschen sowie bei einzelnen Angeboten der Verkehrsunfallprävention wurden weniger Nachfragen verzeichnet. In vielen Themenfeldern gelang jedoch eine Trendumkehr und es wurde fast schon wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht. Dies ist einerseits auf mehr Möglichkeiten in Schulen und Kindergärten und andererseits auf bereits im Vorjahr eingeführte, der Pandemie angepasste Formate zurückzuführen. Vor allem das Angebot an Online-Formaten wurde ausgebaut und erweitert.

Dazu vertiefte die Polizei die Zusammenarbeit mit verschiedenen Kooperationspartnern. Unter anderem entstanden in einer Kooperation mit dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg und der Filmakademie Ludwigsburg neue Filmsequenzen zum Thema „Gewaltprävention für weiterführende Schulen“, die im Rahmen eines Online-Vortrags präsentiert werden.

Zur Bekämpfung der sogenannten Anrufstraftaten wurden neue Präventionsmaßnahmen initiiert, um die Bevölkerung auf dieses Phänomen und die verschiedenen Maschen der Telefonbetrüger aufmerksam zu machen. Dazu zählen zwei Bäckertütenaktionen mit begleitenden Aktionstagen, die in Zusammenarbeit mit den Kreisseniorenräten sowie den Kreissparkassen und Volksbanken der beiden Landkreise Böblingen und Ludwigsburg durchgeführt wurden. Mitarbeitende von Banken wurden darüber hinaus über ihre Handlungsmöglichkeiten bei entsprechenden Verdachtslagen informiert.

Im Rahmen der Radfahrausbildung bot die Polizei in Kooperation mit den Verkehrswachten Böblingen, Ludwigsburg und Vaihingen/Enz den Schulen, bei denen die Termine ausgefallen waren, Ersatztermine in Form von Radtrainings an. Allgemeine Radtrainings für alle Schüler/innen rundeten das Angebot ab.

zurück